Dienstag, 15. April 2025, 19.00 Uhr, Waldenserkirche
Eintritt frei - Spenden erwünscht
Monolog von Lot Vekemans, gespielt von Alice Katharina Schmidt
Judas Iskariot – sein Name steht für Verrat. Doch hat er treulos an Jesus gehandelt und ihn hintergangen? Nach rund 2000 Jahren meldet er sich zu Wort und möchte seine Version der Geschichte erzählen. Sein Anteil am Kreuzigungstod Christi lässt ihm keine Ruhe. Er berichtet von seinen drei Jahren mit Jesus, rekonstruiert die Geschehnisse bis zu dem Tag, an dem sie beide kurz nacheinander gestorben sind – der eine am Kreuz, der andere erhängt am Baum. Judas ringt mit sich. Er ist verzweifelt, verbittert und wütend, dann wieder überzeugt, das Richtige getan zu haben. Dieser Judas nimmt sein Schicksal an und bekennt sich zu seiner Verantwortung für die Taten. Seit Beginn des Christentums versuchen Menschen, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum Judas Jesus verraten hat. War Judas ein Werkzeug des Teufels und die Verkörperung des Bösen, wie ihn die einen sehen? Oder ist er, wie andere behaupten, ein zutiefst ergebener Verbündeter und Freund Jesu gewesen, der diesen aus Liebe verraten hat? Walter Jens benennt in seinem Buch Der Fall J. drei mögliche Thesen. Wurde Judas aus schnöder Gewinnsucht zum Verräter – ein Sklave des Geldes, ein Ehrgeizling, Heuchler, Neider und Hasser? War er von Christus enttäuscht und wollte in Gethsemane einen Volksaufstand anzetteln? Oder wollte er gar durch einen Scheinverrat Jesus dazu bringen, sich als Messias auszuweisen? Der israelische Autor Amoz Oz, der sich schon lange intensiv mit der Figur des Judas beschäftigt, weist darauf hin, dass Letzterer gar nicht auf die 30 Silberlinge, die er für den Verrat erhalten hat, angewiesen war. Und warum hat Judas Jesus geküsst? Um ihn an die Soldaten zu verraten? Jesus war in Jerusalem überaus bekannt, es war nicht nötig, dass Judas ihn identifizierte. Selbst Papst Franziskus erklärt in einem Interview mit der ZEIT, dass er weder zu behaupten wagt, „dass Judas im Himmel und gerettet ist“, noch das Gegenteil. Fakt ist, dass es in der Bibel heißt: „Als Judas sich seiner Tat bewusst wird, geht er reuig zu den Hohepriestern“. Auch bei der Niederländerin Lot Vekemans ist der Begriff der Reue zentral. Ihr Judas gesteht sich seine Schuld ein. In den Dramen der 1965 geborenen Autorin geht es immer um existenzielle Themen. Nach dem Kammerspiel Gift im STUDIO ist wieder eine brillante psychologische Studie von ihr in Karlsruhe zu sehen. Häufig entwirft sie Figuren, die am Rande der Gesellschaft stehen. Sie zeigt sie jenseits von Schwarz und Weiß, Schuldzuweisungen wie Gut und Böse gibt es nicht. So auch bei Judas. Denn was wäre passiert, wenn er Jesus nicht verraten hätte? Das SCHAUSPIEL begibt sich auf den Weg in die Stadt und spielt die Produktion in Kirchen. Der Altarraum wird zur Bühne. Eine besondere Spannung entsteht – wie positioniert sich der Verräter in diesem aufgeladenen Raum?